Sommer-Trockenheit 2026 im Wasser-Monitor
Letzte Aktualisierung: 18. August 2026
An dieser Stelle möchten wir aus aktuellem Anlass einige Zusatzinformationen zur Entwicklung und zum aktuellen Zustand der Trockenheit in Deutschland geben. Basierend auf den Simulationsrechnungen und Vorhersagen, die dem Wasser-Monitor zugrunde liegen.
Es sei an dieser Stelle nochmals darauf verwiesen, dass der Wasser-Monitor derzeit keine menschliche Einflussnahme wie Bewässerung, (Grund-)Wasserentnahme, Stauseen oder Drainagen berücksichtigt. Dennoch bilden die Daten des Wasser-Monitors eine in sich konsistente und auf aktuellen meteorologischen Daten beruhende Zusatzinformation zur Einordnung des Zustands und zu einer möglichen Entwicklung.
Sommer-Vorhersage
Die saisonalen Vorhersagen (d.h. die ParFlow-DE06-S2S Simulationsrechnung aus dem experimentellen Wasser-Ressourcen Bulletin des FZJ), die wir auch über die Wasser-Monitor Seite zur Verfügung stellen, haben bereits Anfang Juni einen sehr trockenen Sommer 2026, vergleichbar denen der anomal trockenen Vorjahre vorhergesagt. Tatsächlich war die Entwicklung weniger stark ausgeprägt im Juni und Juli verstärkte sich aber dann rasch ab Mitte Juli in den August hinein (Abb. 1).
Abb. 1: Entwicklung der monatlichen Bodenwasserspeicher-Anomalie, räumliches Mittel über Deutschland von 2010-Jan bis 2026-Mai, simuliert im Rahmen täglicher Vorhersagen mit dem integrierten hydrologischen Modell ParFlow/CLM (www.parflow.org) in einer Auflösung von 611m; atmosphärischer Antrieb: deterministischer ECMWF HRES Lauf (,hindcast"), und 7-Monats-Vorhersage von 2026-Jun bis 2026-Dez auf Grundlage der saisonalen Vorhersage ECMWF SEAS (seasonal forecast") mit 50 Ensemble Membern. Überlagert sind die Monatsmittel (schwarze Punkte) der täglich aktualisierten Simulationsergebnisse aus der deterministischen Vorhersage (ECMWF HRES).
Aktueller Zustand, Mitte August 2026
Die nachfolgenden Abbildungen zeigen einige Größen des Wasserhaushalts, die über das Pflanzenverfügbare Wasser des Wasser-Monitors hinausgehen. Sie verdeutlichen, dass die Trockenheit auch in tiefere Bodenschichten reicht und nicht ohne Weiteres ausgeglichen werden kann. Wir zeigen Abbildungen die aus einer Vorhersage für den 16.8., die am 13.8. gestartet wurde, erstellt wurden.
Die bekannte Darstellung des pflanzenverfügbaren Wassers in den obersten 30cm des Bodens, wie im Wasser-Monitor, dient zu Beginn als Orientierung (Abb. 2).
Abb. 2: Pflanzenverfügbares Wasser [%nFK] ist das Wasser, das im Porenraum bei einem Matrixpotentail größer als der permanente Welkepunkt und kleiner als der Feldkapazität (FK) gespeichert ist. Das pflanzenverfügbare Wasser ist auch als nutzbare Feldkapazität bekannt (nFK) und wird in Prozent ausgedrückt. Ein Anteil von 0% nFK entspricht dabei dem permanenten Welkepunkt und ein Anteil von 100% nFK entspricht der Feldkapazität.
Betrachtet man eine Schicht von 0-2m Tiefe, zeigt sich ein differenzierteres Bild. Neben den Flussläufen werden nun unterschiedliche Bodenarten und geomorphologische Strukturen sichtbarar. Aber auch bis in diese Tiefe herrscht eine große Trockenheit (Abb. 3).
Abb. 3: Wie Abb. 2, aber 0-2m Tiefe.
Niederschlagsdefizit
Ursächlich für diese starke Trockeheit ist in erster Linie ausbleibender oder ausreichender Niederschlag (Abb. 4). Konvektive Niederschlagsereignisse über den Alpen und im Osten Deutschlands haben am 16.8. bereits zu einer Zunahme der Versickerungsraten geführt.
Abb. 4: Die Abweichung der Versickerungsrate vom vieljährigen Mittel [%], auch als Anomalie bezeichnet, gibt in Prozent an, wie stark die Summe des in den Boden versickerten Wassers innerhalb der 30 Tage vor dem angegebenem Datum von der langjährigen (2010 bis 2024) 30-Tage Summe abweicht. Diese Abweichung hilft bei der Beantwortung der Frage, ob die Versickerungs- bzw. Infiltrationsrate der letzten 30 Tage im Vergleich zum mittleren Zustand am jeweiligen Ort und zur jeweiligen Zeit ungewöhnlich (anomal) niedrig oder hoch war. Die Infiltration, die sich aus Niederschlag und Schneeschmelze ergibt, ist der wesentliche Massenfluss in den Untergrund und bestimmt damit stark den Bodenwasserhaushalt. Die Grundlage für die Berechnung sind eine Klimatologie der Basis-Simulationen und die aktuellen Basis-Simulationen (HRES-angetrieben). Da die atmosphärischen Antriebe eine geringe räumliche Auflösung haben, sind die Felder weniger detailliert.
Negative Abweichung des Bodenwasserspeichers
Dies fürt zu einer deutlich negativen Abweichung des Bodenwasserspeichers, im Oberboden bis 30cm Tiefe und auch deutlich bis 2m Tiefe (und natürlich darüber hinaus). Dieser Bodenwasserspeicher ist eine der relevantesten Größen und wird auch im experimentellen Wasser-Ressource Bulletin des FZJ gezeigt.
Abb. 5: Die Abweichung Bodenwasserspeicher vom vieljährigen Mittel [%], auch als Anomalie bezeichnet, gibt in Prozent an, wie stark das jeweilige Tagesmittel vom langjährigen 31-Tage Mittel abweicht. Das 31-Tage Mittel ist der 15-jährige Mittelwert (2010 bis 2024) aus dem im Boden gespeicherten Wasser 15 Tage vor und nach dem jeweiligen Tag. Wir geben die Abweichung für vier Schichten ab der Bodenoberfläche an. Diese Abweichung hilft bei der Beantwortung der Frage, ob der aktuelle Bodenzustand im Vergleich zum mittleren Zustand am jeweiligen Ort und zur jeweiligen Zeit ungewöhnlich (anomal) niedrig oder hoch ist. Dies hilft dann z.B. bei der Bewertung, ob wir uns in einem extremen Systemzustand befinden. Die Grundlage sind eine Klimatologie der Basis-Simulationen und die aktuellen Basis-Simulationen (HRES-angetrieben).
Abb. 6: Wie Abb. 5, aber 0-2m Tiefe.
Sickerwasser ist wichtig für Grundwasserneubildung
Der Sickerwasserstrom (hier in 0.5m Tiefe), der schlussendlich auch mit der Grundwasserneubildung in Verbindung steht, weisst nur sehr geringe Wasserbewegung auf, bzw. bzw. nach obengerichtet, die in Verbindung mit Pflanzenaufnahme bzw. Verdunstung an der Erdoberfläche steht. In den Flussläufen steht Grundwasser an (blau). Die größten Flüsse sind zur Orientierung auch nochmals zusätzlich eingezeichnet.
Abb. 7: Sickerwasserstrom bzw. kapillarer Aufstieg [mm/Tag]: Die vertikale Wasserbewegung im Boden über dem Grundwasserspiegel, also im ungesättigten Bodenbereich, ist in der Tagessumme entlang einer Tiefenschicht entweder nach unten gerichtet (Sickerwasserstrom) oder nach oben (kapillarer Aufstieg). Diese Bodenwasserbewegung ist bedeutsam für die Grundwasserneubildung und kann auch als Maß für den Transport von Nährstoffen dienen. Die blauen Bereiche markieren jene Modellgitterpunkte an denen der Grundwasserspiegel oberhalb 30cm Tiefe liegt, d.h. hier findet eine gesättigte Wasserbewegung statt.
Niedrigwasser am Rheinpegel in Kaub
Mit der Trockenheit einher geht auch eine Niedrigwassersituation in den großen schiffbaren Flüssen, wie dem Rhein, einer wichtigen Güterverkehrsachse, einher. Auch wenn die Wasser-Monitor Simulationen hierfür nicht konfiguriert wurden, berechnen wir den Oberflächenabfluss, der das Abflussgeschehen in den Fliessgewässern gut abbildet.
Abb. 8: Relative monatliche Abflussanomalien am Pegel Kaub (Global Runoff Data Centre, GRDC, Stations-ID 6335100), 2010–2026 — Beobachtung (GRDC, blau), Simulation (ParFlow DE06, rot) sowie beide überlagert. Die Anomalie ist die Abweichung des Monatsmittels vom langjährigen Mittel des jeweiligen Kalendermonats (Referenzzeitraum 2010–2025, für jede Reihe separat berechnet), ausgedrückt in Prozent dieses Monatsmittels; Saisonalität und der mittlere Bias jeder Reihe sind damit entfernt. Gelb hinterlegt sind die ausgeprägten Niedrigwasserjahre am Rhein (2011, 2015, 2018, 2022), die gestrichelten Vertikalen markieren das Ende der jeweiligen Zeitreihe (GRDC 12/2025, ParFlow 07/2026).
Zunahme der Bodenfeuchte nach Regen in den Feldmessungen
Die Niederschläge der letzten Tage sehen wir auch in unseren Feldmessungen. Hier exemplarisch für die Station bei Haltern am See. Es ist gut zu erkennen, wie die hohen Lufttemperaturen bereits seit Samstag abnehmen, Bewölkung stellt sich ein (s. verringerte Solarstrahlung), damit einher gehen teils ergiebige Niederschläge. Dies zeigt sich kaum zeitversetzt in den unterschiedlichen Bodenfeuchtemessungen, wobei hier auch sichtbar wird, dass zunächst nur der Oberboden durchfeuchtet wird.
Fig. 9: Stations-Meteogramm einer der FZJ Beobachtungsstationen, hier nahe Haltern am See. Die Stations-Meteogrammme zeigen einen 7-tägigen Rückblick (bzw. 168 Stunden ab dem aktuellen Termin in die Vergangenheit) wichtiger bodennaher meteorologischer Größen Lufttemperatur, relative Feuchte, Windgeschwindigkeit und Böen (maximale Windgeschwindigkeit pro Stunde), Windrichtung, Bodenluftdruck, kurzwellige solare Einstrahlung (Globalstrahlung) und Niederschlagsmenge, alle gemessen in 2m über Grund. Die täglichen Sonnenauf- und -untergangszeiten sind farblich im Diagramm hinterlegt und zeigen ortsspezifisch die Tageslänge an. Die Messwerte der Bodenfeuchte und Bodentemperatur sind in einem Vertikalprofil über die Bodenschicht von 5 bis 60cm dargestellt. Zwischen den Sensortiefen von 5, 15, 30 und 60cm sind die Messwerte linear interpoliert.
Wir verwenden zwei unterschiedliche Verfahren zur Bestimmung der Bodenfeuchte: (1) Fünfte Abb. von oben: Zur Bestimmung der Bodenfeuchte über die gesamte Parzellengröße werden so genannte "Cosmic Ray Neutron Sensors" eingesetzt. Diese Systeme messen die natürliche Neutronenstrahlung des Bodens, die mit dem Bodenwassergehalt korreliert ist. Die Beobachtungsdaten werden drahtlos in nahezu Echtzeit über die NB-IoT Anwendung zu einem zentralen Server gesendet, verarbeitet, und stündlich als Beobachtungsdaten visualisiert und veröffentlicht. (2) Sechste Abb. von oben: Punktuelle Bodenfeuchte- und temperaturwerte werden über jeweils einem Sensorpaar in 5, 15, 30 und 60cm Tiefe über das FDR (Frequenzbereichsreflektometrie) Verfahren gemessen. Die dazugehörige Sensoreinheit wird im Institut für Bio- und Geowissenschaften (IBG-3, Agrosphäre) produziert und kalibriert.
Weitere Informationen und tagesaktuelle Diagnostiken
Diese Abbildungen und viele weitere tagesaktuelle Diagnostiken finden Sie auf der www.adapter-projekt.de Website im Vorhersagebereich. Dort finden Sie auch weitere ausführliche Informationen zu den einzelnen Variablen. Die Beschreibungen auf dieser Seite sind größtenteils von unserer ADAPTER Website übernommen. Die ADAPTER Website bietet auch eine sehr umfassende und leicht zu nutzende weitereführende Informationen zum reginalen Klimawandel.